Als Schwule noch heilbar waren

Liebe Freunde, Sammler und Kunstinteressierte,

vor zwei Jahren veröffentlichte der ANTIST unter dem Titel Als Schwule noch heilbar waren das Faksimile eines 1976 geschriebenen Aufsatzes des Künstlers Karl Iro Goldblat. Karl Iro Goldblat war nicht nur langjähriges, führendes Mitglied der Muehl-Kommune, sondern auch schwul. In dem Text von 1976 beschrieb Karl, wie er durch die Kommune von seiner Homosexualität geheilt wurde.

In der streng nach Prinzipien kommunistischen Gemeinschaftseigentums und der Freien Liebe aufgebauten Gruppe galt Homosexualität als Krankheit, die zu überwinden war. Die Muehl-Kommune war das größte Nachfolgeprojekt der 1968er Bewegung und des Wiener Aktionismus in Österreich. Zu ihrem Höhepunkt zählte sie über 700 Mitglieder.
Geheilt von der Heilung, veröffentlichte Karl Iro Goldblat nun seine Autobiographie Als ich von Otto Muehl geheilt werden wollte.
Heute Abend diskutieren und präsentieren wir (wie bereits angekündigt) seine Autobiographie und die neue Ausgabe des ANTIST in der Galerie Konzett in Wien.
Völkerfreundschaft und liebe Grüße

Lukas Pusch

 

P.S.
Kürzlich musste ein vom Künstler Christian Ludwig Attersee gestaltetes Werbeplakat eines ÖSV-Skirennens eingestampft werden. Was die österreichischen GRÜNEN mit der lächerlichen Aktion zu tun haben, kann man hier nachlesen…
Die Polarisierung der Idiotie

P.S.2
Die 5. Antist-Vorzugsausgabe ist fertig!
Die Vorzugsausgaben beinhalten Originale von Klaus Theuerkauf, Victoria Lomasko, Yevgeniy Ivanov, Karl Iro Goldblat und Lukas Pusch.
Der ANTIST erscheint in einer Auflage von 200 Stück plus 25 Vorzugsausgaben.
Jedes Heft ist nummeriert. Die Vorzugsausgaben sind zusätzlich gestempelt und signiert.

 

Der Coversiebdruck des ANTIST mit einer Illustration von Alexander Brener und Barbara Schurz aus ihrem neuen Buch Ияфиопика

Der Coversiebdruck des ANTIST mit einer Illustration von Alexander Brener und Barbara Schurz aus ihrem neuen Buch Ияфиопика

 

SoldatInnen sind MörderInnen, Linolschnitt von Klaus Theuerkauf, signiert und nummeriert

SoldatInnen sind MörderInnen, Linolschnitt von Klaus Theuerkauf, signiert und nummeriert

 

Weißer Neger im schwarzen Schnee aus der Serie Gott schütze Österreich von Lukas Pusch, Originalzeichnung, datiert und signiert (unterschiedliche Motive)

Weißer Neger im schwarzen Schnee aus der Serie Gott schütze Österreich von Lukas Pusch, Originalzeichnung, datiert und signiert (unterschiedliche Motive)

 

Die letzte Heilung, handkolorierter Originalsiebdruck von Karl Iro Goldblat, signiert und nummeriert

Die letzte Heilung, handkolorierter Originalsiebdruck von Karl Iro Goldblat, signiert und nummeriert

 

MONSTRATION, Yevgeniy Ivanov, Fotoprint, nummeriert und gestempelt

MONSTRATION, Yevgeniy Ivanov, Fotoprint, nummeriert und gestempelt

 

White Cube Gallery Novosibirsk, handkolorierter Originalsiebdruck einer Zeichnung von Victoria Lomasko, gestempelt und nummeriert

White Cube Gallery Novosibirsk, handkolorierter Originalsiebdruck einer Zeichnung von Victoria Lomasko, gestempelt und nummeriert

 

Angela Merkel goes home, original Kartoffeldruck von Leonid und Lukas Pusch

Angela Merkel goes home, original Kartoffeldruck von Leonid und Lukas Pusch

 

Eine von Karl Iro Goldblat signierte Ausgabe seiner Biographie Als ich von Otto Muehl geheilt werden wollte

Eine von Karl Iro Goldblat signierte Ausgabe seiner Biographie Als ich von Otto Muehl geheilt werden wollte

 

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Die Polarisierung der Idiotie

von Lukas Pusch

Martin Humer war seiner Zeit voraus. Er war der einsame Vorreiter im Kampf gegen sexistische Kunst alter weißer Männer in Österreich. Der als Pornojäger bekannte, erzkonservative und reaktionäre Prophet wurde dafür zu Lebzeiten (völlig zu Recht) in den Medien verhöhnt und von der Gesellschaft belächelt. Seine spektakulären Aktionen gegen Künstler wie Nitsch, Mühl oder Lüpertz sorgten regelmäßig für Schlagzeilen, hatten aber meist keine weiteren Konsequenzen. Heute ist das anders.

Heute genügt es, wenn eine grüne Berufspolitikerin wie Faika El-Nagashi eine vom Künstler Christian Ludwig Attersee gemalte, nackte Skifahrerin auf einem ÖSV-Plakat despektierlich und „sexistisch“ findet um dieses, begleitet von medialem Beifall und allgemeiner Entrüstung, innerhalb weniger Tage einstampfen zu lassen. Dass Attersee Skifahrer auf Plakaten für Herrenrennen genauso nackt malt, wird dabei ausgeblendet.
Die heutigen Pornojäger sind nicht mehr mit Teer, Farbe und Federn unterwegs sondern in den sozialen Medien. Sie singen nicht mehr „Ave Maria“ sondern schreien „Sexismus“. Das ist effektiver.
Dabei darf nicht vergessen werden, Martin Humer war isoliert, aber nicht allein. Schon in den 1970er-Jahren hatte er ideologische Rückendeckung. Auch Feministinnen protestierten damals heftig gegen die Legalisierung von Pornographie. Eine der Wortführerinnen der bigotten Frauen war Alice Schwarzer mit ihrem prüden Zentralorgan Emma. Deren Protest gipfelte in den 1980er-Jahren in einer eigenen PornNO-Kampagne bei der, erfolglos, ein Verbot von Pornographie gefordert wurde.
Mikl-Leitner und Attersee

Die Landeshauptfrau auf Facebook, ein paar Tage später wurde das Plakat eingestampft…

Als Jörg Haider 1995 mit Plakaten gegen Künstler und sozialdemokratische Kulturpolitiker wetterte, gab es einen medialen Aufschrei. Heute, 20 Jahre später, postet die Redakteurin des TV-Senders Puls4, Corinna Milborn, lediglich:„Danke Faika El-Nagashi“, teilt die Statusmeldung der grünen Abgeordneten auf ihrer Facebook-Seite und gibt der Politkampagne damit erst richtig Legitimation und Breitenwirkung. 
In den 1980er-Jahren drohten die Freiheitlichen aus dem Nationalrat zu fliegen. Durch den scharfen Kurswechsel unter Jörg Haider konnte das verhindert werden. Im November 2017 schafften die Grünen die Kurve nicht und verfehlten den Einzug in den Nationalrat. Auch bei den kommenden Wahlen in Wien drohen ihnen herbe Verluste. Warum also nicht Erfolgsrezepte und Feindbilder des politischen Gegners kopieren, wenn es das eigene politische Überleben sichert und Ressentiments der eigenen Klientel bedient? 
„Das hat mit Kunst nichts zu tun,“ geifern Die Grünen Frauen Wien über das Attersee Gemälde auf ihrer Facebook-Seite. „Das ist einfach nur voll daneben, ignorant, unangebracht und s e x i s t i s c h!“ Jörg Haider und sein Redenschreiber Kickl hätten es für die entsprechende Wählerschicht nicht besser formulieren können.
Wie einst Haider von der Kronen Zeitung, bekommen heute auch die Grünen zielgruppengrechte, mediale Schützenhilfe – von der Tageszeitung Der Standard. Abstrahiert gemalte Nacktheit wird dort zur „gruseligen Männerfantasie“ hochstilisiert. Es werden seitenweise Bilder von nackten Attersee-Skifahrerinnen ins Netz gestellt (Der Künstler spendete dem ÖSV – welch ein Verbrechen – seit 20 Jahren zahlreiche von ihm gestaltete Plakate zu verschiedenen Wettbewerben). Die von Attersee nicht anders gemalten Nackt-Skifahrer zeigt man nicht.
Und Puls4-Redakteurin Milborn weiß: „Skirennläuferinnen sind extrem mutig. Durchtrainiert bis an die Grenze. Konzentriert. Kämpferinnen mit Biss und Willen zum Sieg.“ Und – „sie sind badass, Champions, kühn und verwegen,“ ergänzt Frau El-Nagashi, vor allem aber sind sie nicht – Achtung: weil besonders shocking – „lasziv“!  Das Geschreibsel der grünen Feministinnen liest sich wie eine Lobhudelei zu Leni Riefenstahls NS-Propagandaschinken Olympia. Die Postings werden trotzdem oder gerade deswegen hunderte Male geteilt, gelikt und unhinterfragt übernommen.
Dass Attersee Skifahrer für Herrenrennen genauso nackt malt, wird ausgeblendet.

Die nackten, skifahrenden Männer, wurden von den Attersee-Kritikern ausgeblendet…

 

Als erste Kritik an den bigotten Moralistinnen geübt wird, machen sie einen Schritt zurück, erklären: es ginge nicht um die zuvor so lautstark verteufelte Kunst, sondern um die offenen Missbrauchsvorwürfe im ÖSV. Nun stimmt zwar, dass der ÖSV völlig unfähig war, mit den Vorwürfen umzugehen, warum aber dann nicht gleich den ÖSV kritisieren? Auch das ist eine Strategie, die Jörg Haider bis zur Perfektion beherrschte: Über das Ziel hinausschießen, dabei die eigene Kernwählerschicht zufrieden stellen, Aufregung und Aufmerksamkeit erzeugen um dann – halbherzig – zurückzurudern. Jörg Haider konnte so die Regierung jahrelang vor sich hertreiben. Er schreibt selber, dass er „überrascht war“, dass „die Regierung in der Ausländerfrage immer wesentlich mehr beschloss, als die FPÖ forderte“.
Aber auch die grüne Moralaktivistin El-Nagashi kann zufrieden sein. Innerhalb weniger Tage wurde das ÖSV-Werbeplakat eingestampft, die dazugehörige Kunstedition eingezogen und ein Kunstdruck des Bildes aus der ORF-Versteigerung für Licht ins Dunkel geworfen. Der ÖSV musste sich entschuldigen, der Künstler eine knieweiche Erklärung abgeben und die niederösterreichische Landeshauptfrau Mikl-Leitner, die das Plakat noch kurz zuvor voll Stolz präsentierte hatte, stand plötzlich als Sexistin da. Bravo, besser kann man die eigene grüne Kernwählerschicht nicht bedienen. 
Wie lächerlich und aufgesetzt diese von Politfunktionärin El-Nagashi initiierte Aufregung um das Attersee-Plakat war, sieht man, wenn es um Kritik an Kulturveranstaltungen der Grünen selbst geht. Kommt Sexismus und sogar Gewalt gegen Frauen mit dem richtigen ideologischen Mascherl daher, wird das verteidigt.
Als der Antist, als einziges Medium in Österreich, sich traute, ein ungustiöses Subventionsgeflecht zwischen der Künstlergewerkschaft IG Bildende Kunst, verschiedenen grünen Kulturinitiativen und dem von den Grünen unterstützen Kulturfestival Wienwoche zu thematisieren, wurden die Subventionsseilschaften von der grünen Politfunktionärin El-Nagashi wortreich im Wiener Landtag verteidigt. Zur Erinnerung: Der Antist kritisierte damals den schäbigen Umgang der IG Bildenden Kunst mit der von Zensur betroffenen Künstlerin Ines Doujak. Anstelle Ines Doujak zu verteidigen, veröffentlichte die Künstlergewerkschaft das Plakat einer grünen Kulturfunktionärin, auf dem die Zensur befürwortet und Ines Doujak unter dem Titel „Contra el Rassismo“ vergewaltigt, geschlagen und sexuell erniedrigt wird! Diese offen sexistische Arbeit wurde später prominent, in einer großen, von der mit 500 000 Euro subventionierten grünen Wienwoche, organisierten Museumsschau ausgestellt. Sexistisch ist für Frau El-Nagashi offenbar nur, was nicht nach grünem Parteibuch riecht. 
Das ist auch der Grund, warum Politiker wie El-Nagashi für mehr direkte staatliche Kunstsubventionen eintreten. Es bedeutet schlicht und einfach mehr direkte parteipolitische Macht und Kontrolle für sie. Kunst ist für El-Nagashi nichts anderes als ein verlängerter Spielball der Parteipolitik. Nicht die Gesellschaft, nicht die Künstler selbst sollen entscheiden, welche Kunst gemacht, welche Inhalte gezeigt oder aufgeführt werden, sondern der parteipolitisch abhängige Kulturfunktionär. 
Und genauso verhält es sich beim Sexismus-Bashing der Grünen. Sexismus wird dann kritisiert, wenn es der Partei etwas bringt. Das war in der Causa Pilz nicht anders als im Fall Attersee. Beim einen hat man aus parteitaktischen Gründen jahrelang geschwiegen, beim anderen aus parteitaktischen Gründen sofort und rücksichtslos losgedroschen, – nicht auszudenken, hätte Attersee nackte, einarmige BanditInnen für den Glückspielkonzern Novomatic gemalt!
Michelangel Sixtinische Kapelle Die Erschaffung Adams Foto: Jörg Bittner Unna [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], from Wikimedia Commons

Die katholische Kirche ließ die Aktdarstellungen Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle übermalen, da diese als „amoralisch und obszön“ galten…                         Foto: Jörg Bittner Unna [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], from Wikimedia Commons

Der Philosoph Konrad Paul Liessmann meinte, dass die Debatte um das ÖSV-Plakat von Attersee völlig lächerlich sei und sich daher jeglicher Kommentar erübrigt. Das stimmt, aber es stimmt auch nicht, da diese lächerlichen Debatten mittlerweile das gesamte kulturelle Leben verpesten. 
Wer glaubt, mit Prüderie und Riefenstahl-Ästhetik gegen sexuellen Missbrauch im ÖSV oder sonst wo anzukommen, ist auf dem Holzweg.
Die katholische Kirche ließ die Aktdarstellungen Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle übermalen, da diese als „amoralisch und obszön“ galten. Gleichzeitig gibt es kaum eine andere Organisation, in der so systematisch und über einen so langen Zeitraum tausende Buben, Mädchen, Frauen und Männer sexuell missbraucht und vergewaltigt wurden. Über Jahrhunderte wurde darüber geschwiegen.
Die lächerlichen Übermalungen (die letzten stammten aus dem 19. Jahrhundert), wurden erst in den 1980er und 1990er-Jahren wieder entfernt. Es ist kein Zufall, dass sich, fast zeitgleich, im Geist dieser allgemeinen gesellschaftlichen Liberalisierung auch die ersten Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche meldeten und an die Öffentlichkeit gingen.
Es gibt heute keine klaren Fronten mehr, kein Gut und kein Böse, kein Sozialismus gegen Kapitalismus, Ost und West. Die Welt ist heterogener geworden. Es gibt keine klaren Bündnispartner und Gegner. Freunde in der einen Frage sind Feinde in der anderen. Wir erleben eine Polarisierung der Idiotie. Die dümmsten politischen Kräfte und Ideen beginnen zusehends das gesellschaftliche Leben zu dominieren.
Als Antwort können wir nur Felder, die uns wichtig sind, abstecken und verteidigen. Felder, in denen wir leben und arbeiten. In unserem Fall ist dieses Feld die Kunst und ihre Freiheit. Die einzige zu akzeptierende Grenze dieser Freiheit ist das Strafrecht. Alle, die diese Freiheit zusätzlich einschränken wollen, sind Feinde. El-Nagashi ist da nur das grüne Pendant zum blauen Waldhäusl. Freunde der Kunst und ihrer Freiheit sehen anders aus.

„Nicht alle Frauen haben Vaginas“ – Theaterstück „Die Vagina-Monologe“ abgesagt

Auf der US-amerikanischen Eastern Michigan University wurde jetzt eine Aufführung des feministischen Theaterstücks „Die Vagina-Monologe“ abgesagt.

Vor der Absage hatte man eine Umfrage unter Studierenden der Universität gestartet. Die Befragung wurde im Rahmen eines Workshops mit dem Titel „Not all women have vagina’s (Nicht alle Frauen haben Vaginas)“ des universitären Women’s Resource Center (WRC) durchgeführt. In einer Erklärung des Women’s Resource Centers vom 10. November wird darauf den Vagina-Monologen ein „CIS-Frauenzentrismus“ vorgeworfen. Zum Bedauern der staatlichen Einrichtung wäre es auf Grund des geltenden Urheberrechts nicht möglich das Stück umzuschreiben. „Vagina-Monologe“ zeigt laut Eastern Michigan University einen „Mangel an Diversität und Inklusion“ und „excludes some women (including trans women)“.

Wir beten für das Binnen-I, Holzschnitt, Lukas Pusch, 2018

Wir beten für das Binnen-I, Holzschnitt, Lukas Pusch, 2018

„Wir sind der Meinung, dass diese Entscheidung auf einer Linie mit der WRC-Mission steht, die diverse Repräsentation von Frauen auf dem Campus anzuerkennen und zu feiern und dem übergeordneten Auftrag des Departments of Diversity and Community Involvement entspricht, studierende Minderheiten zu unterstützen und zu ermächtigen, Systeme und Strukturen herauszufordern, die Ungleichheit perpetuieren“ so die akademischen Anti-Vagina-Feministinnen weiter.
„Wir sind der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, unsere studierenden Minderheiten ins Zentrum der Wahrnehmung zu stellen und, dass diese Entscheidung auf einer Linie mit den Werten unserer Mission steht.“

Sag mir, wo der Blümel blüht

von Lukas Pusch

Am 28. September luden die Oppositionsparteien SPÖ, NEOS und Liste Pilz zu einer außerordentlichen parlamentarischen Sitzung des Kulturausschusses. Zuvor kritisierten ihre Kultursprecher Thomas Drozda, Sepp Schellhorn und Wolfgang Zinggl in einer gemeinsamen Pressekonferenz den „kulturpolitischen Stillstand und den Umstand, dass bisher noch kein einziger der 48 Regierungsprogrammpunkte zu Kunst und Kultur vollständig umgesetzt wurde“. Die aktuelle ÖVP/FPÖ-Regierung habe offenbar „kein Interesse an Kunst und Kultur“. Dies zeige sich auch im „Boykott des parlamentarischen Kulturausschusses“ durch Kulturminister Blümel und die Abgeordneten der Regierungsfraktion.

Fachausschüsse des Parlaments, zu denen auch der Kulturausschuss zählt, sind wichtige Instrumentarien der parlamentarischen Arbeit und Demokratie. Sie sollen sicherstellen, dass fachkundige Abgeordnete im kleinen Kreis über Sachfragen diskutieren können. Dadurch können z.B. Gesetzesvorlagen, bereits bevor sie im Nationalrat beschlossen werden sollen, von den Ausschussmitgliedern der jeweiligen Fraktionen in einer sachlichen Atmosphäre auf inhaltliche und formale Schwächen überprüft werden.

Das Zitat stammt aus der hervorragenden Gustav Klimt Jubiläumsausstellung im Leopold Museum. Die von Hans-Peter Wipplinger und Sandra Tretter kuratierte Schau läuft noch bis 4. November.

Die Kritik von Gustav Klimt ist heute noch genauso aktuell wie vor 113 Jahren. Der Wandtext stammt aus der hervorragenden Gustav Klimt Jubiläumsausstellung im Leopold Museum. Die von Hans-Peter Wipplinger und Sandra Tretter kuratierte Schau läuft noch bis 4. November 2018.

 

Zu den Beratungen können auch außenstehende Experten und Expertinnen eingeladen werden. Bei dem gestrigen Kulturausschuss wurden daher Ex-MUMOK Direktor Edelbert Köb, die UNESCO-Generalsekretärin Gabriele Eschig als auch ich um eine kurze Expertise zu unterschiedlichen Themenbereichen gebeten. Mein Gebiet war die dringend zu reformierende Kunst- und Kulturförderung. Ich begann meinen Vortrag mit einem hochaktuellen Zitat:

„Genug der Zensur. Ich greife zur Selbsthilfe. Ich will loskommen. Ich will aus allen diesen meine Arbeit aufhaltenden Lächerlichkeiten zur Freiheit zurück. Ich lehne jede staatliche Hilfe ab, ich verzichte auf alles. […] Die Hauptsache ist, ich will Front machen gegen die Art, wie im österreichischen Staate, wie im Unterrichtsministerium Kunstangelegenheiten behandelt und erledigt werden. Es geht bei jeder Gelegenheit gegen echte Kunst und gegen echte Künstler los. Protegiert wird immer nur das Schwache, das Falsche.“

Dann fragte ich die Parlamentsabgeordneten, ob sie wüssten, von wem und von wann dieses Zitat sei. Es folgte lustiges Rätselraten. Namen wollte keiner nennen. Die Kunstaffinen tippten auf die späten 1980er Jahre, andere meinten, nein, dies müsse jüngeren Datums sein und für die politisch Korrekten unter den anwesenden Mitgliedern der Kulturkommission war klar, dass dies ein aktuelles Statement zur Schwarz/Blauen Regierung sei.

Als ich meinte, dass dieses Zitat von Gustav Klimt aus dem Jahre 1905 stammte, war die Verblüffung groß. An der kunstfeindlichen österreichischen Kulturpolitik hat sich, bis auf die Binnen-I Schreibung, wenig verändert. Klimts Forderungen sind heute so aktuell und unerfüllt wie vor 113 Jahren. Erst als sich Klimt von der staatlichen Alimentierung lossagte, wurde er der Klimt, den wir heute kennen und bewundern. Klimt schuf seine genialsten Meisterwerke nicht durch den Staat, sondern maximal trotz und vor allem gegen den Staat.

Der Antist ist die einzige nicht subventionierte Kunstzeitschrift Österreichs. In einer außerordentlichen parlamentarischen Sitzung des Kulturausschusses wurde Antist-Herausgeber Lukas Pusch jetzt um seine Expertise zur österreichischen Kunst- und Kulturförderung gebeten.

Der Antist ist die einzige nicht subventionierte Kunstzeitschrift Österreichs. In einer außerordentlichen parlamentarischen Sitzung des Kulturausschusses wurde Antist-Herausgeber Lukas Pusch jetzt um seine Expertise zur Reform der österreichischen Kunst- und Kulturförderung gebeten.

Dasselbe gilt für die wichtigste österreichische Kunstströmung nach 1945 – den Wiener Aktionismus. Der Wiener Aktionismus wurde zu seiner Zeit nicht nur nicht gefördert, sondern im Gegenteil polizeilich und strafrechtlich verfolgt. Erst durch die Initiativen von Museumsdirektoren wie Edelbert Köb oder Peter Noever fanden die Werke des Wiener Aktionismus, Jahrzehnte nach ihrem Entstehen, Einzug in die wichtigen Museen des Landes. Davor verdankten die Wiener Aktionisten ihr Überleben einzig und allein dem Engagement von Nonkonformisten wie dem Kunsthändler und Galeristen Kurt Kalb, der für eine Ausstellung des Wiener Aktionismus sogar verhaftet und zu einem Monat schweren Kerker verurteilt wurde. Oder dem deutschen Verleger und Buchhändler Walther König, der dem in Österreich per Haftbefehl gesuchten Günter Brus, privaten Unterschlupf gewährte und ihn und seine Familie mit einem monatlichen Taschengeld von 1000 D-Mark vor der völligen Verelendung rettete.

Weder Kurt Kalb noch Walther König, geschweige denn die Wiener Aktionisten wären auf die Idee gekommen, einen Förderantrag zu stellen. Sie waren überzeugt von der künstlerischen Qualität des Werks. Die einzig sinnvolle Kunstförderung des Staates kann nur in der Förderung dieses privaten Engagements bestehen. Dieses private Engagement unterstützt man durch sehr einfache Maßnahmen wie einer Reduktion der Mehrwertsteuer oder der steuerlichen Absetzbarkeit von Kunst. Die bisherige Förderpolitik bestand in der schlichten Erhöhung oder Kürzung der jeweiligen Subventionstöpfe, der Ausgestaltung von Förderanträgen (aktuell beträgt ein Förderantrag des Bundes acht DIN A4 Seiten) und der Besetzung irgendwelcher Kommissionen. Dies führte aber lediglich zu einer Förderung der Bürokratie und einer lähmenden, ängstlichen Stille im Kunstbetrieb selbst. Aber es geht auch anders. Die schlichte Tatsache, dass Österreich die Mehrwertsteuer auf Kunst weniger stark erhöhte als Deutschland, führte dazu, dass in den letzten zwei Jahren namhafte Berliner Galerien Zweigstellen in Wien eröffneten oder sich zur Gänze hier ansiedelten. Dieser – nicht geplante – Nebeneffekt einer einzigen steuerlichen Maßnahme war eine bessere Förderung des Kunst- und Kulturstandortes Österreich als sämtliche Subventionsprogramme der letzten Jahre.

Der Kulturausschuss des Nationalrats wäre der Ort, an dem über alle Parteigrenzen hinweg und unter Einbeziehung von außenstehenden Experten, eine tragfähige und nachhaltige kulturpolitische Weichenstellung diskutiert werden könnte.

Der Kulturausschuss des Nationalrats wäre der Ort, an dem über alle Parteigrenzen hinweg und unter Einbeziehung von außenstehenden Experten, eine tragfähige und nachhaltige kulturpolitische Weichenstellung diskutiert werden könnte.

Kulturminister Blümel geht häufig zu Vernissagen, besucht Theaterfestivals oder philosophiert im Fernsehen über Bruegels Turmbau zu Babel.
Das ist erfreulich, aber verändert nichts.
Die Kritik von Gustav Klimt ist heute noch genauso aktuell wie vor 113 Jahren.
Geht es wieder nur um das parteipolitische Um- bzw. Einfärben verschiedener Institutionen und das Verschieben von Fördergeldern aus einem Topf in den anderen? Oder will man eine grundlegende Reform der Kunstförderung, in der die Kunst und nicht die Kunstbürokratie im Mittelpunkt aller Überlegungen steht?
Der Kulturausschuss des Nationalrats wäre der Ort, an dem über alle Parteigrenzen hinweg und unter Einbeziehung von außenstehenden Experten, eine tragfähige und nachhaltige kulturpolitische Weichenstellung diskutiert werden könnte.
Die Arbeitsverweigerung stimmt nachdenklich.
Sagt mir, wo der Blümel blüht.
Wo ist er geblieben?

Überfall auf Kunstausstellung in Moskau

Einer der Angreifer mit einem mit Farbe überschütteten Bild des Künstlers Vasiliy Slonov.

Einer der Angreifer hält ein mit Farbe überschüttetes Gemälde des Künstlers Vasiliy Slonov und beschimpft Ausstellungsbesucher

Moskau, 12. September. Eine Gruppe religiöser Extremisten hat heute die Galerie 11-12 in Moskau überfallen und Putin-kritische Bilder und Kunstwerke des bekannten sibirischen Künstlers Vasiliy Slonov entwendet und zerstört. Einer der Attentäter gab sich sogar als Journalist aus. Der Überfall ereignete sich am hellen Tag. Die Täter fühlten sich offensichtlich sehr sicher da sie ihren Überfall selbst filmten und anwesende Ausstellungsbesucher wüst beschimpften und bespuckten. Der Leiter der Galerie 11-12, Alex Sharov, schreibt auf Facebook, dass die Polizei keinerlei Anstalten zeigte einzuschreiten. Vasiliy Slonov, der für seine kritischen und humorvollen Arbeiten bekannt ist, gehört zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern Russlands. Der Überfall auf seine Ausstellung reiht sich ein in eine lange Serie von Überfällen auf kritische Kunstausstellungen und Künstler durch staatliche und religiöse Fanatiker. In den letzten Jahren erleben wir eine drastische Verschärfung des kulturellen Klimas in Russland. 2012 wurde die Verletzung religöser Gefühle unter Strafe gestellt. Seither drohen Gotteslästerern Haftstrafen von bis zu drei Jahren und bis zu fünf Jahren für die Beschädigung von Heiligtümern.

Друзья! Максимальный репост!!! У нас в галерее 11.12, на Винзаводе, разгромили и облили краской произведения с выставки Васи Слонова. Полиция бездействует. Произведения сняли со стены и вынесли из галереи.

Gepostet von Alex Sharov am Mittwoch, 12. September 2018

Gepostet von Aidan Salakhova am Mittwoch, 12. September 2018

Frühling in Sibirien

"Севернее Кореи – Nördlicheres Korea" war die Losung auf dem Frontbanner der MONSTRATION 2018

5000 Monstranten marschierten am 1. Mai hinter dem Frontbanner „Севернее Кореи – Nördlicher als (Nord)Korea“ durch die sibirische Hauptstadt Novosibirsk.                                                      (Fotos: Ivanov)

Am 1. Mai fand in Novosibirsk die traditionelle MONSTRATION statt. MONSTRATIONEN sind dadaistische Happenings im Grenzbereich von politischem Aktivismus und Kunstperformance.
Rund 5000 Menschen marschierten in selbst gebastelten Kostümen durch die Straßen der sibirischen Millionenmetropole. „Ich will ins Fernsehen“, skandierten sie, „Was wollen sie nicht verstehen?“, „Der Kosmos wartet auf uns“ oder „New Tahiti!“.


Die vordergründig unpolitischen, absurd anmutenden Monstrationen finden bei der Bevölkerung zunehmenden Anklang, desavouieren aber alle offiziellen Kundgebungen – sehr zum Ärger des politischen Establishments. Konflikte sind vorprogrammiert.
Artem Loskutov, einer der Organisatoren und Mitbegründer der MONSTRATIONEN, wird immer wieder verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen. 2009 drohte Loskutov sogar mehrjährige Lagerhaft.

Lagebesprechung im Atelier von KOnstantin Skotnikov

Lagebesprechung im Atelier von Konstantin Skotnikov in Novosibirsk

 

Artem Loskutov und Lukas Pusch entwerfen das Frontbanner der 15. Monstration

Artem Loskutov und Lukas Pusch entwerfen das Frontbanner der 15. Monstration

Damals wurde er während der Ausstellung „pLAN zUr MONSTrATIoN“ in der von Lukas Pusch und Konstantin Skotnikov gegründeten WHITE CUBE GALLERY NOVOSIBIRSK verhaftet. Nach längeren Verhören behauptete die Polizei, sie hätte in seinem Rucksack Rauschgift gefunden. Erst auf Grund der Unterstützung einer breiten Solidaritätsbewegung, einigen Monaten in Untersuchungshaft und einer saftigen Verwaltungsstrafe kam der damals Zwanzigjährige letztlich wieder frei. Das harte Vorgehen der Polizei tat der wachsenden Popularität der MONSTRATIONEN keinen Abbruch. Im Gegenteil. Dieses Jahr wurde am 1. Mai bereits in zweiundzwanzig russischen Städten „monstriert“ – von Wladiwostok bis Moskau und St. Petersburg. MONSTRATIONEN gelten mittlerweile als eine sibirische Tradition, wie die lokale Kulturministerin Anna Tereshkowa in einem Interview für das Dokumentar- und Kunstfilmprojekt NEUES TAHITI von Lukas Pusch betont. Die bekannte Förderin kritischer russischer Gegenwartskunst bemüht sich seit ihrem Amtsantritt intensiv um ein besseres Klima zwischen Stadtverwaltung und MONSTRANTEN.

"Ne таитe Taiti – Versteckt Tahiti nicht",,, Das Banner der 15. Monstration wird fertig gestellt...

„Не таитe Таити – Versteckt Tahiti nicht!“ und „Севернее Кореи – Nördlicher als (Nord)Korea“, Artem Loskutov und Lukas Pusch als Plakatmaler im Atelier von Konstantin Skotnikov

Die erste MONSTRATION im Jahr 2004 war Vorbote einer größeren, später, in den 2010er Jahren, das ganze Land erfassenden Protestbewegung, die in Künstlergruppen wie „Woina“ und „Pussy Riot“, den Aktionen Pjotr Pawlenskis oder den Reportagezeichnungen Viktoria Lomaskos ihren ästhetischen Ausdruck fand. Eine Bewegung in dieser Form gibt es heute zwar nicht mehr, die MONSTRATIONEN aber sind geblieben.
 Sie haben ein Eigenleben entwickelt, sind Teil der kulturpolitischen Auseinandersetzung zwischen einer fortschrittlichen Künstlerschaft und dem autoritär geprägten russischen Staat geworden. Einer Auseinandersetzung, in der es um nichts Geringeres als die Freiheit der Kunst geht.

Die MONSTRATIONEN haben für’s erste gewonnen: sie haben dem Staat ein kleines Stück Freiheit abgetrotzt.
Zumindest hier, in Sibirien.
Vielleicht sind sie wieder die Vorboten einer neuen Entwicklung.
Freilich, Moskau ist weit weg.
In den letzten Tagen hat es hier nur leicht geschneit.
Es ist Frühling in Sibirien.

 

Am Ende der Monstration begutachten KOnstantin Skotnikov, Artem Loskutov, Lukas Pusch und Konstantin Eromenko die gesammelten Plakate und führen sie zur Ausstellung "Post

Nach der MONSTRATION werden die gesammelten Plakate zur Ausstellung „POSTPLAKAT“ gebracht

 

 

 

Все на Монстрацию! Celebrate MONSTRATION! Heraus zur MONSTRATION!

Lukas Pusch und Konstantin Skotnikov trainieren schon für die MONSTRATION am 1. Mai

Lukas Pusch und Konstantin Skotnikov trainieren schon für die MONSTRATION am 1. Mai

Der ANTIST beteiligt sich an der 15. MONSTRATION am 1. Mai in Novosibirsk!
Unterstützt den radikalen Tahiti-Block!
Absurde Losungen in absurden Zeiten.
Monstranten aller Länder vereinigt Euch!
HURRA!

Wann: 1. Mai 2018, 12.00 Uhr
Wo: Metro Krasnij Prospekt, Novosibirsk
Die MONSTRATION auf Facebook

Vorzugsausgabe Heft Nr. 4

jede Vorzugsausgabe enthält folgende Arbeiten:

O.T. (Pudelmützenburka) Daniel Chluba, Wien 2017

O.T. (Pudelmützenburka), Fine Art Pigmentdruck, Daniel Chluba, Wien 2017

 

O.T., Schellack auf Karton, Stefan Glettler, 2017

O.T., Schellack auf Karton, Stefan Glettler, 2017

 

Beast of the Southern Wilde

Beast of the Southern Wilde, Fine Art Print, Sophia Süßmilch

 

Lukas Pusch liest Wer die Kunst liebt, muss den Staat hassen, Tonaufnahme, 2017

Lukas Pusch liest: Wer die Kunst liebt, muss den Staat hassen, Tonaufnahme, 2017

 

Dise Plakatzeitung mit der Fotodokumentation des Eröffnungshappenings der Ausstellung Non Government Art ist jedem Heft der 4. Ausgabe des Antist beigelegt

Eine Plakatzeitung mit der Fotodokumentation des Eröffnungshappenings der Ausstellung Non Government Art in der Galerie Knoll in Wien ist jedem Heft beigelegt

 

PET_1906

Sebastian Kurz, Kartoffeldruck by Leonid & Lukas Pusch, 2017

 

Antist_4_Cover

Jedes Cover ist ein nummerierter Originalsiebdruck.