NR-Wahl 2017: Droht Wiederholung?

Massenandrang bei den Nationalratswahl Wahlen 2017 in Wien. Warteschlangen vor den Wahllokalen . Kam es heute erneut zu systematischen Unregelmäßigkeiten?
Der Antist deckt auf . Erschreckende Details aus Wahllokalen in Wien. Eine erste Analyse und Prognose.

Experten prognostizieren das Zwischenergebnis heute Abend ohne Wahlkarten:
FPÖ 30,5 % ÖVP 30,2 % SPÖ 22,9 % NEOS 8% Grüne 4,9% Pilz 4,5 %
Strache und die FPÖ sehen sich als klarer Sieger und stellen den Kanzleranspruch. Jubel- und Protestkundgebungen in Wien. Dramatische Szenen bei den Interviews der Spitzenkandidaten. Kleine Raufhandel vor laufenden Kameras unter Funktionären der verschiedenen Parteien. Leichte Kurseinbrüche an der Wiener Börse. Erschütterung in Brüssel und der EU.

Endergebnis nach Auszählung der Wahlkarten:
ÖVP 31,4% FPÖ 29% SPÖ 23,5% NEOS 9% Grüne 5,2% Pilz 4,6%
Jubel unter ÖVP Funktionären… Sebastian Kurz ist, nach ersten Unkenrufen am Wahlabend, wieder unumstrittener Führer der christlich so

In zahlreichen Wahlkabinen waren die Kugelschreiber zum Ankreuzen der Wahlzettel nicht in allen Parteifarben ausgelegen,was als indirekte Wahlwerbung gewertet wurde. Die zuständigen Stellen der Wahlbehörde im Innenministerium waren zu keiner Stellungnahme bereit.

In zahlreichen Wahlkabinen wurden die Kugelschreiber zum Ankreuzen der Wahlzettel nicht in allen Parteifarben ausgelegt. Das kann laut Experten als indirekte Wahlwerbung gewertet werden. Von den zuständigen Stellen der Wahlbehörde im Innenministerium gibt es zu den Vorwürfen keine Stellungnahme.

zialen Bewegung. Ein expressiv gemaltes Portrait von Sebastian Kurz wird an einer kürzlich frei gewordenen Wand im Parlamentsklub der ÖVP aufgehängt. Beifall diesmal auch von SPÖ, NEOS und Grünen. Peter Pilz, der einzige österreichische Spitzenpolitiker, der nachweislich mit HC Strache bereits Kaffee trinken war, schweigt. Sebastian Westbalkanroute-Kurz wird in internationalen Medien als Bollwerk gegen Rechtspopulismus und Garant für Demokratie, Menschenrechte und Europäische Einigung gefeiert. Glückwunschtelegramme von Viktor Orban aus Ungarn, Donald Trump und dem Vatikan.Heftigste Proteste von Seiten der FPÖ. Strache und Hofer sprechen offen von Wahlbetrug. Auf Grund massiven Drucks der Wählerbasis und einigen nicht korrekt geklebter Kuverts kommt es erneut zu einer Wahlanfechtung. Es kommt zu einer Koalitionsregierung aus ÖVP und SPÖ mit einem Bundeskanzler Ohr-ban und Vizekanzler Doskozil. Die innerperteilichen Zerwürfnisse in der SPÖ werden immer stärker. Vor allem die Wiener Sozialdemokratie spaltet sich immer offener in drei Fraktionen: Die ÖsterreichInseratFraktion (ÖIF) angeführt von Werner Faymanns Ehefrau Martina Ludwig und Doris Bures, scharf bekämpft von der Kronen Zeitung und HeuteInseratFraktion (KZuH) angeführt vom einfachen Parteimitglied Alfred Gusenbauer und der FalterundStandardPresseförderungFraktion (FuSP) angeführt von Julia Herr welcher die unabhängigen Journalisten Florian Klenk (Falter) und Robert Misik (Standard) uneigennützig beratend und Reden schreibend zur Verfügung stehen.
Die Koalitionsregierung kommt trotz Doskozil als Vizekanzler nicht zur Ruhe. Das Bundesverfassungsgericht kommt auf Grund eines Formalfehlers (In zahlreichen Wahlkabinen waren die Kugelschreiber zum Ankreuzen der Wahlzettel nicht in allen Parteifarben ausgelegen,was als indirekte Wahlwerbung gewertet wurde) zu dem Schluss, die Wahl wiederholen zu lassen. Neuwahlen, Frühjahr 2018.

Wer bestiehlt wen?

Der Antist deckt auf: SPD Spitzenkandidat Martin „The Loser“ Schulz und Österreichs neues Wunderkind Sebastian „The Lausbua“ Kurz verwenden den selben Wahlkampfslogan!

Die Frage: hat den Slogan Tal Silberstein kreiert und – Geld stinkt nicht –  an die deutschen Spezialdemokraten und die Kurz’schen Volksparteiler verkauft? Oder, haben sich ÖVP und SPD beim Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer bedient, der  mit dem Schlachtruf „Mander ’s isch Zeit“ zum Aufstand gegen Napoleon blies ? Dem Wirt aus dem Passeiertal brachte der Slogan wenig Glück – er endete in Mantua in Ketten. Ob’s für Schulz & Kurz besser läuft ? Spätestens am 15. Oktober werden wir es wissen!
Wer bestiehlt wen?

Wer bestiehlt wen?

 

Erschiessung von Andreas Hofer

1810 war für Andreas Hofer die Zeit vorbei. Er wurde von den Franzosen in Mantua hingerichtet. Foto: Wikipedia (1) Archiv (2)

Kuratoren-Kunst vs Marktkunst: Ein Scheingefecht

Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich ließ mit einem kritischen Vortrag auf der Hochschule für bildende Künste in Hamburg aufhorchen.

Ullrich beschreibt darin das Phänomen einer immer mehr auseinander driftenden
Kunstwelt, in der auf der einen Seite nur noch für Kuratoren und auf der anderen nur noch für den Markt produziert wird. Ullrich prophezeit, dass diese beiden Welten perspektivisch völlig auseinanderbrechen werden.

 

Der Künstler Daniel Chluba will nicht zur documenta 14

„Wir wollen nicht zur documenta 14“ von Daniel Chluba

Der Künstler Bazon Brock widerspricht Ullrichs Thesen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk vehement. „Auf Dauer würden sich Unabhängigkeit und Freidenkertum durchsetzen,“ so der dreifache documenta-Teilnehmer Brock. Er glaubt auch nicht, dass Kuratoren eine „Gegenfront“ zum Kunstmarkt bilden können. Sie hätten sich „am meisten blamiert“, so Brock mit Verweis auf die documenta 14. „Das, was in Kassel geboten wird, ist unter aller Sau und hat keinerlei Profil. Die Kuratoren haben auf der gesamten Bandbreite versagt und sind noch absurder organisiert als der Markt. Meinetwegen können die Kuratoren alle zum Teufel gehen.“

„Die Diagnose von Wolfgang Ullrich, dass die beiden Kunstwelten auseinander driften, ist zutreffend. Dass es zu einem definitiven Bruch kommt, ist eine riskante These.
Natürlich gefällt mir Brock’s Freigeisterei und seine offene Verdammung der documenta. Was ich bei beiden Autoren vermisse, ist die Diskussion der Rolle des Staates. Wenn man dies etwas durchdenkt, könnte man anstatt vom dramatischen Schisma, auch von Arbeitsteilung sprechen. Hier liberal-demokratische Öffentlichkeitsarbeit (im Sinne parteipolitischer Interessen) dort „freie“ Marktwirtschaft (in dessen Namen die Parteien überleben).
Gerade diese Arbeitsteilung erlaubt es, einen gesellschaftlichen Konsensus aufrecht zu erhalten. Noch zugespitzter gesagt: Sowohl die „freie“ Diskurs-documenta als auch die „freie“ Marktkunst versuchen, autonome, nicht konforme Geister fern zu halten…, “ schreibt der New Yorker Antist-Autor und Künstler Gerhard Frommel.

Eine Kritik von Gerhard Frommel zur Whitney Biennale in New York finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Antist.

der Antist 3. Ausgabe

der Antist 3

der Antist Heft Nr. 3

Präsentation der 3. Ausgabe der Zeitschrift der Wiener Avantgarde
durch Lukas Pusch und TOMAK
Musik: Filius de Lacroix

Montag,  12. Juni 2017, 19:00 Uhr

Buchhandlung Walther König
im Museumsquartier
Museumsplatz 1
1070 Wien

Das Cover der 3. Ausgabe ist eine mit Siebdruck überarbeitete Originalcollage
unter Verwendung eines Bildmotivs der US Künstlerin Rebecca Morgan.
Original ist auch der Austrian Kartoffeldruck (Donald Trump), der jedem Heft eingelegt ist. Jedes Heft enthält diesmal zusätzlich zwei Beilagen:
The Antistin – The erste vollgegenderte Frauenbeilage
und Die Subvention – Zeitschrift für Kunstdiskurs in Österreich.

the antistin

Die Beiträge von Heft 3 und the Antistin stammen u.a. von John Barker, Ines Doujak, Thomas Palme, Filius de Lacroix, Tomak, Lukas Pusch, Alexander Brenner, Barbara Schurz, Oksana Schnikrup, Walter Schmögner, Frank Gaard, Rebecca Morgan, Ursula Vischer, Christian Rosa, Chloe Piene, Gerhard Frommel, Peter Turrini, Edita Malovcic, Daniel Chluba, Jeff Koons.

die Subvention Nr 1

In der Beilage Die Subvention finden sie neben einem Kommentar des Antist zu Albertina, Haselsteiner, Essl und Wiener Secession, den Erstabdruck des antistischen Dramoletts Wir heilen die Kunst von Lukas Pusch.

Darin mitwirkende Personen und Institutionen:

Erster Antist
Zweiter Antist
Ines Doujak (Antistin)
5 Genossen und Genossinnen der IG Bildende Kunst
(Eva Dertschei, Vasilena Gankovska, Alexander Jöchl, Paula Pfoser, Elke Smodics)
5 Redakteure und Redakteurinnen der Kunstgewerkschaftszeitung Bildpunkt
Jens Kastner
Marissa Lobo
Klaus-Werner Lobo
Carlos Toledo
Verena Melgarejo-Weinandt
Die Wienwoche
Beate Meinl-Reisinger (NEOS)
Gerald Ebinger (FPÖ)
Martin Margulies (Die Grünen)
Ursula Stenzel (FPÖ)
Faika El-Nagashi (Die Grünen)
Petr Baxant (SPÖ)
Dietbert Kowarik (FPÖ)
Sybille Straubinger (SPÖ)
Jörg Neumayer (SPÖ)
Gabriele Mörk (SPÖ)

Weitere Abgeordnete und Mitglieder des Wiener Gemeinderates,
Mitglieder der Wiener Kunstszene und andere stumme Personen

Pixibuch

Das kleine Bildbändchen Wir heilen die Kunst dokumentiert die Uraufführung des antistischen Dramoletts im Wiener Ateliertheater und eine antistische Lesung von Edita Malovcic in der Loos Bar. Dieses Heft ist eine extra Beigabe für alle Vorzugsausgaben und sonst nicht erhältlich.

Zusätzlich enthalten alle Vorzugsausgaben Originale von Filius de Lacroix, TOMAK, Daniel Chluba und Lukas Pusch

 

Putins Ballerina

von Lukas Pusch

Heftige Plagiatsvorwürfe gegen Jeff Koons und sein neuestes Werk „Seated Ballerina“.
Ob gegen den US-Künstler erneut eine Klage eingebracht wird ist offen.

 

Seated Ballerina, 2017 © Jeff Koons / Photo: Tom Powel Imaging

Jeff Koons „Seated Ballerina“ vor dem Rockefeller Center in New York.
Seated Ballerina, 2017 © Jeff Koons / Photo: Tom Powel Imaging

Jeff Koons gehört zu den wichtigsten und teuersten US-Künstlern der Gegenwart. Sein jüngstes Werk „Seated Ballerina“ ist die neue Attraktion in New York. Die 14 Meter hohe aufblasbare Skulptur vor dem Rockefeller Center ist nicht zu übersehen. Fotos des neuen Kunstwahrzeichens gingen durch die Weltpresse. Ausgangspunkt für Koons Ballerina war eine „kleine gefundene Porzellanfigur“. Koons: „Die auf einem Hocker sitzende und nach vorne gebeugte Ballerina symbolisiert Ideen von Schönheit und Verbundenheit. Ihre reflektierende Oberfläche spiegelt ihre unmittelbare Umwelt und beschäftigt sich mit jedem Betrachter.“

Jeff Koons will, laut Pressemitteilung, mit der Ballerina-Installation auf den Monat der vermissten Kinder aufmerksam machen. Organisationen wie das International Centre for Missing & Exploited Children sollen mit der imposanten Skulptur in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt werden.

Weniger karitativ, eröffnete Jeff Koons zeitgleich eine Soloshow bei Gagosian in Beverly Hills, bei der eine über zwei Meter große Version der aufgeblasenen Vermisste-Kinder-Ballerina aus poliertem Edelstahl zum Kauf angeboten wird. Der Preis für derartige Skulpturen bewegt sich bei Koons im zweistelligen Millionenbereich. An der 2016 fertig gestellten Edelstahlskulptur arbeitete Koons sechs Jahre. Sie gehört zu seinem „Antiquity“ Zyklus.

Bereits 2015 ließ er zusätzlich eine Serie von fünfzig bemalten Holzskulpturen plus zehn Künstlerexemplare der Figur produzieren. Eine der rund 45cm großen Holz-Ballerinas wurde im März um 52 500 Pfund bei Sotheby’s in London versteigert.

Der georgische Künstler Lado Pochkhua war einer der ersten der Jeff Koons „Seated Ballerina“ kritisierte

Jeff Koons dürfte sich mit der „gefundenen Porzellanfigur“ also schon länger beschäftigen. Umso bemerkenswerter ist es daher, wie wenig wir von Jeff Koons über die „kleine gefundene Porzellanfigur“ erfahren, die er angeblich zur „Jahrtausenwende“ in einer „russischen Fabrik fand“. Denn diese rund 20 cm große Figur, die Koons mehr oder weniger 1:1 lediglich in eine andere Größe und ein anderes Material transferierte, ist nicht irgendeine Porzellanfigur. Es handelt sich dabei um die Arbeit „Балерина Леночка“ (Ballerina Lenotschka) der sowjetischen Bildhauerin Oksana Leontevna Schnikrup. Die Künstlerin, 1931 im sibirischen Tschita geboren, studierte nach dem Krieg auf der renommierten Grekov Kunstschule in Odessa Bildhauerei. Aus der Grekov Kunstschule kamen berühmte Künstler wie Wassily Kandinsky oder Leonid Pasternak, Vater des Schriftstellers von Boris Pasternak. Beim Studium lernte Oksana Schnikrup auch ihren späteren Ehemann Wladislaw Iwanowitsch Shcherbina kennen. Shcherbina war ebenfalls ein in allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion bekannter Bildhauer, der bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv blieb.

Nach dem Studium begannen beide für die Kievskij eksperimentalnyj keramiko-chudoschestwennyj sawod – KEKCHS zu arbeiten. Die 1924 gegründete und 2006 geschlossene Fabrik war, bis zur späteren Unabhängigkeit der Ukraine, ein Flaggschiff der sowjetischen Porzellan Manufaktur. Werke Oksana Schnikrups und auch ihres Mannes finden sich heute in zahlreichen staatlichen Museen und privaten Sammlungen. Sowjetisches Porzellan, vor allem aus der Vorkriegszeit, erzielt mittlerweile Spitzenpreise bei internationalen Auktionen.

Die 1973 entstandene Arbeit „Ballerina Lenotschka“ von Oksana Schnikrup wurde, wie damals üblich, in sehr hoher Stückzahl produziert. Sie wird bei russischen Internetauktionen und in Antiquariaten, je nach Zustand, um Preise zwischen 4000 und 10 000 Rubel (80 bis 200 Euro) gehandelt.

In ukrainischen Medien werden bereits offen Plagiatsvorwürfe erhoben.

Als Jeff Koons zur Jahrtausendwende die „kleine Porzellanfigur in einer russischen Fabrik findet“ wird der Chef des russischen Inlandgeheimdienstes Wladimir Putin neuer Chef im Kreml. Ob sich Putin und Koons damals in Russland begegneten, ist nicht bekannt. Putins Vorgänger im Präsidentenamt, Boris Jelzin, konnte seine letzte Wahl nur dank gigantischer finanzieller und medialer Unterstützung aus dem Ausland gewinnen.

Heute stehen die Vorzeichen anders. Heute werden Wladimir Putin und sein russischer Geheimdienst beschuldigt, hinter den Hackerangriffen auf die Mail-Server der Demokraten zu stehen, um so massiven Einfluss auf den Ausgang des US-Wahlkampfs ausgeübt zu haben.

US-Präsidenten Donald Trump war angetreten, um die Beziehungen mit Russland zu verbessern. Vielen in den USA ging und geht diese Annäherung jedoch zu weit und Donald Trump droht seit kurzem ein Amtsenthebungsverfahren wegen angeblichen Geheimnisverrats und Behinderung von unabhängigen FBI-Ermittlungen.

Donald Trump ist erklärtermaßen kein Anhänger zeitgenössischer Kunst. Umgekehrt ließ Jeff Koons im Rennen um das Präsidentenamt keinen Zweifel an seiner Vorliebe für Hillary Clinton. Trotzdem diagnostiziert der deutsche Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich im eine Art von Wahlverwandtschaft.

Die Schriftstellerin Joyce Carol Oates twitterte im Wahlkampf, „Donald Trump is the Jeff Koons of US politics“, und stellte gleichzeitig die Frage, ob Koons nicht genauso der Trump des US-Kunstbetriebs sei. Der für den Guardian schreibende Kunstkritiker Jonathan Jones sieht in Trump und Koons parallele Phänomene, die viel dazu beigetragen hätten, den guten Geschmack und jegliches Feingefühl zu zerstören („to destroy taste, sensitivity“). Trump wie Koons wären die Gegenthese zur Behauptung, dass es für finanziellen Erfolg irgendein Talent brauche.

Zeitgleich mit der Enthüllung von Jeff Koons „Seated Ballerina“ wird auf der Internetplattform Breitbart der Artikel unter dem Titel „Wie die Linke und die US – Regierung Amerikas Kunst korrumpierte“ veröffentlicht. In dem tendenziös geschriebenen Text geht es um bewusste CIA Strategien nach 45, als Kunst zur Propagandawaffe im Kalten Krieg und zum ideologischen Spielball der Supermächte wurde. „Painting and sculpture was transformed by a radical shift in style. Traditionalism and aestheticism disappeared, replaced by abstract expressionism and postmodernity. But this didn’t happen by accident, or even organically: it was, at least in part, the deliberate product of social engineering.“ Worte, die jeder sowjetische Kulturfunktionär in seinem Kampf gegen “Загнивающий запад” den „Verrotteten Westen“ nicht besser hätte formulieren können. Eigentümer von Breitbart ist der Wahlkampfstratege, enge Berater und Vertraute Donald Trumps, Stephen Bannon.

Der Künstler Oleksandr Roytdurd freut sich über die Popularisierung ukrainischer Kunst. Andere Kommentatoren meinen, nicht ganz zu unrecht, Oksana Schnikrup sei eine sowjetische Künstlerin gewesen.

Der Künstler Oleksandr Roytdurd freut sich über die Popularisierung ukrainischer Kunst. Andere Kommentatoren meinen, nicht ganz zu unrecht, Oksana Schnikrup sei eine sowjetische Künstlerin gewesen.

Wie Trump, gilt auch Putin nicht als großer Freund von Gegenwartskunst. In der Bevölkerung der Länder der ehemaligen Sowjetunion gehören die 70iger Jahre unter Leonid Breschnew bis heute, zum beliebtesten Abschnitt in der Geschichte des von zahlreichen Kriegen und Krisen gebeutelten Russland.

Wladimir Putin bezeichnete den Zerfall der Sowjetunion 1991 als „die größte geopolitische Katastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Die 70iger Jahre unter Breschnew standen für dessen Gegenteil.

Die 1973 entstandene Arbeit „Ballerina Lenotschka“ von Oksana Schnikrup kann auch als so etwas wie der in Porzellan gegossene Ausdruck dieser russisch-sowjetischen Sehnsucht nach Behaglichkeit gesehen werden. Sozialistischer Realismus für das Wohnzimmer des Proletariats am Zenit seines Wirkens. Die einstigen Parteikader und KGB-Funktionäre sind heute stinkreichen Oligarchen gewichen. Sowjetisches Porzellan wir heute in Chromstahl poliert. Wo einst der Abstrakte Expressionismus als Symbol der Freiheit in die Welt getragen wurde, wird heute eine Kleinplastik des Sozialistischen Realismus vor dem Rockefeller Center in New York aufgeblasen. Alle jubeln und keiner bemerkt es.

Was Oksana Leontevna Schnikrup zu all dem gesagt hätte, wissen wir nicht. Sie starb, kurz nach dem Ende der Sowjetunion, 1993 in Kiew. Auf jeden Fall hätte sie es verdient, namentlich erwähnt zu werden. Aber so ist das heute in der Kunst wie in der Gesellschaft. Wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Unruhige Zeiten, ob mit oder ohne Putins Ballerina.

 

Die WIENWOCHE 

eine antistische Lesung im Wiener Gemeinderat

Berichte des ANTIST und des Stadtrechnungshofs über Subventionsseilschaften und das Kulturfestival WIENWOCHE sorgten in der Gemeinderatssitzung vom 7. April 2017 für eine leidenschaftliche Grundsatzdebatte über staatliche Abhängigkeit und die Freiheit der Kunst.

Auslöser war der Subventionsantrag des Trägervereins der WIENWOCHE über rund 450 000 Euro. In der einstündigen Debatte kritisierten Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Gerald Ebinger (FPÖ) die parteipolitische Nähe der Kunst- und Kultursubventionen scharf. Auch die Tatsache, dass staatliche Kunst- und Kultursubvention in erster Linie eine Subvention der Kunst- und Kulturbürokraie bedeutet, wurde an Hand der WIENWOCHE thematsiert. Zur Untermauerung wurde seitenweise Antist-Artikel zitiert und offenkundige Subventionsseilschaften an den Pranger gestellt… Für den ironischen Vorschlag, ein eigenes „Institut für Subventionskunde“ zu gründen, erntete FP-Kultursprecher Gerald Ebinger fraktionsübergreifenden Applaus.

Die Rechtfertigungen von Martin Margulies (Die Grünen) und seiner Parteikollegin Faika El-Nagashi fielen dürftig aus. Von der üblichen Strenge der Grünen im Umgang mit Steuergeld war nichts zu bemerken. Wie auch? Unter vorgehaltener Hand bestätigten führende grüne Kulturfunktionäre, die namentlich nicht genannt werden wollen, die pink-blaue Kritik. In seinem Schlussplädoyer versuchte Petr Baxant (SPÖ) zu kalmieren. Vergeblich, die Subventionen der stark gebeutelten WIENWOCHE wurden lediglich mit den Stimmen der Regierungskoalition durchgewunken.

Ein absurdes Schauspiel lieferte die Debatte um die Flächenwidmungsplan auf dem Gelände der Ankerbrotfabrik. Auf dem für Kunst- und Kulturinitiativen erschlossenen Areal wurden vor einigen Jahren neben Galerieräumen und Ateliers auch Lofts zu Wohnzwecken verkauft. Das führte zu einer produktiven Durchmischung von privatem Kunstengagement und alltäglichem Leben. SPÖ und Grüne lehnten eine Änderung des Flächenwidmungsplans zu Wohnzwecken im Gemeinderat, trotz heftiger Kritik der Opposition und zahlreicher Bürgerproteste, ab. Für die Bewohner der Ankerbrotfabrik bedeutet das Illegalität und Rechtsunsicherheit.

Das ist ein dramatisches Beispiel wie die Stadt Wien mit privatem Kunst- und Kulturengagement umgeht. Private Kunstinitiativen, die keine oder nur wenig staatliche Subvention erhalten, sind für die Kulturpolitik nicht kontrollierbar. Offensichtlich ein unhaltbarer Zustand für die hiesigen Kulturbürokraten. In anderen Städten wäre man froh, wenn man Orte wie den Kunstraum Sellemond hätte. In Wien, der Hauptstadt der vermeintlichen österreichischen Kulturnation, werden sie schikaniert.

 

Die WIENWOCHE
eine antistische Lesung im Wiener Gemeinderat

in den Hauptrollen:
Beate Meinl-Reisinger (NEOS)
Gerald Ebinger (FPÖ)
Martin Margulies (Die Grünen)
Ursula Stenzel (FPÖ)
Faika El-Nagashi (Die Grünen)
Petr Baxant (SPÖ)
u.v.a.


Folgende Artikel sind zum Thema bereits erschienen:

Die Lulus von der Künstlergewerkschaft
Wenn die Lulus zu brunzen beginnen
Es „antistelt“ im Wiener Gemeinderat
Wenn Lulus einen Brief schreiben
Frauen am Frauentag mit Klage drohen

Frauen zum Frauentag mit Klage drohen

Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, trafen sich der Vorstand der IG Bildende Kunst, wie zuvor in einem Offenen Brief von den Gewerkschaftlern gefordert, mit der Wiener NEOS-Politikerin Beate Meinl-Reisinger. Beate Meinl-Reisinger hatte Berichte des Antist über das fragwürdige Verhalten der IG Bildenden Kunst im Zensurfall der Künstlerin Ines Doujak im Wiener Gemeinderat thematisiert und völlig zu Recht einen Förderantrag der Kunstgewerkschaftler abgelehnt (welcher mit den Stimmen der Regierungskoalition sowieso durchgewunken wurde). Der Antist berichtete ausführlich.

Im Unterschied zur öffentlichen Verunglimpfung der Künstlerin Ines Doujak in der eigenen Gewerkschaftszeitung, der öffentlichen, indirekten Beschimpfung der Künstler und Antist-Herausgeber TOMAK und Lukas Pusch als Lügner, der öffentlichen Forderung und Ankündigung eines Gesprächs mit Beate Meinl-Reisinger war das Treffen der subventionierten Kunstgewerkschaftler – siehe da – NICHT öffentlich zugänglich.

In Ihrer Auslage wirbt die IG Bildende Kunst für die Rechte der Frau. In geschlossenen Veranstaltungen wird Kritikerinnen mit Klage gedroht

In Ihrer Auslage wirbt die IG Bildende Kunst für die Rechte der Frau. Ihrer Kritikerin Beate Meinl-Reisinger drohen die subventionierten Frauenrechtler und Frauenrechtlerinnen am Frauentag mit Klage.

„Das Gesprächsergebnis mit Beate Meinl-Reisinger wird zeitgerecht veröffentlicht werden.“ verkündete, in klassischem Funktionärsdeutsch, der IG-Vorsitzende Alexander Jöchl. Die Geheimniskrämerei dürfte einen Grund haben. Offensichtlich ging es den Gewerkschaftlern bei dem Treffen weniger um eine offene Aussprache als die Einschüchterung einer politisch engagierten Frau. Denn, wie bekannt wurde, drohten die subventionierten Kunstbürokraten Beate Meinl-Reisinger schlicht „zu verklagen“.

Auf ihrem Facebook-Blog korrigierte Beate Meinl-Reisinger ihr Statement von der mitternächtlichen Rathausdebatte. Dort hatte sie gemeint, dass die IG Bildende Kunst die Zensur der Künstlerin Ines Doujak „geradezu verteidigt“ habe und „die Auffassung vertrat, dass das Werk der Künstlerin völlig zu Recht zensiert wurde“. Das stimmte, so formuliert, formaljuristisch natürlich nicht. Doch für die in der subventionierten Gewerkschaftszeitung diffamierte Künstlerin Ines Doujak machte das keinen Unterschied. Die Frage, ob die IG Bildenden Kunst die Verunglimpfung einer zensierten Kollegin selbst formuliert oder einer Kulturfunktionärin den Platz bietet, ihre eifersüchtigen Aversionen gegen Ines Dujak ausleben zu können, ist für die Betroffene irrelevant. Die Verteidigung der Freiheit der Kunst und die Unterstützung zensierter Kolleginnen sieht anders aus. Da wundert es auch nicht, wenn subventionierte Kultur-Apparatschiks politisch engagierten Frauen zum Frauentag mit Klage drohen.

 

P.S.
Laut WIENWOCHE hat die besagte Kulturfunktionärin „ihre Vorstandstätigkeit aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen zurückgelegt“.  Ein Schelm, wer glaubt, dass dies mit den peinlichen Enthüllungen über die wirtschaftlichen Verflechtungen von WIENWOCHE und Vorstandsmitgliedern der IG Bildende Kunst zu tun hätte. Auch die anstehende Debatte über die Subventionen für WIENWOCHE im Wiener Gemeinderat sind rein zufällig.

P.S.2
Im Unterschied zur IG Bildenden Kunst scheut der Antist keine öffentliche Debatte.
Am Montag, dem 3. April, diskutiert Antist-Herausgeber Lukas Pusch, u.a. mit dem Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, über Freiheit der Kunst…

 

Montag, 03. April um 19:00 / Ateliertheater Wien

_________________________________________

35 Jahre Freiheit der Kunst

Podiumsdiskussion mit: Monika Piorkowska, Lukas Pusch, Marika Schmiedt, Angela Stief und Wolfgang Zinggl

Moderation: Talita Simek

 

Ateliertheater KG

Burggasse 71

1070 Wien

T: +43-650-5051025

office@ateliertheater.net

 

Folgende Artikel sind zu dem Thema im Antist bereits erschienen:

Das Comeback des Christian Rosa

von Lukas Pusch

Ein sensationelles Auktionsergebnis für den Künstler Christian Rosa bei Phillips in New York sorgte für großes Aufsehen in der Kunstszene. Mit 75 000 Dollar erzielte das Werk „Untitled“ von 2011, das Fünffache des oberen Schätzpreises.

Im Unterschied zu zahlreichen Kunst- und Kulturbürokraten aller Art finden und fanden die Antist-Herausgeber Lukas Pusch und TOMAK das Werk dieses Ausnahmekünstlers, völlig unabhängig von Preisschwankungen und Auktionsergebnissen, schon immer großartig. „Rosas Gelassenheit in seinen Kompositionen, die er in „musikalischer“ Weise im Stile eines alten Meisters, der längst auf die Gesellschaft zu verzichten gelernt hat, auf die Leinwände zaubert, entspringt einer tiefen Weisheit, die Bürokraten völlig fremd ist. Man vergleicht Rosa mit dem späten Miró oder Basquiat und hält ihm das vor. Das ist typisch österreichisch. Kunst kommt von Kunst. Rosas Lässigkeit, aber auch Bedächtigkeit im Farbauftrag und Bewusstheit in der Farbkomposition, seine Aufgeräumtheit und das Wissen um das „heilige“ Nichts, machen diesen Künstler zu einem Meister. Sein Ruhm hat jene ominösen 15 Minuten längst überdauert und wird irgendwelche Ausstellungsräume überdauern. Das Kleinmachen ist hierzulande genetisch bedingt. Mit allen Mitteln möchte man den Erfolg der Anderen mindern, um seine eigenen Unzulänglichkeiten auszugleichen. Gleichmacherei – das ist österreichisch – bäuerlich.“ schrieb TOMAK im Antist. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

 O.T. von Christian Rosa, 2011, Ölkreide, Öl, Bleistift und Kohle auf Leinwand, 200 x 240 cm Foto: courtesy of Phillips /Phillips.com

O.T., Ölkreide, Öl, Bleistift und Kohle auf Leinwand, 200x240cm, Christian Rosa, 2011
Foto: courtesy of Phillips/ Phillips.com

Aber das New Yorker Auktionsergebnis ist auch aus einem anderen Grund interessant. In der flächendeckend subventionierten österreichischen Kunst- und Kulturszene werden Kunstmarkt und Kunstauktionen grundsätzlich negativ gesehen. Das sensationelle Auktionsergebnis für Christian Rosa zeigt aber, dass der Kunstmarkt nicht zuletzt demokratischer ist als der staatlich geprägte österreichische Kunst- und Kulturbetrieb. Der Kunstmarkt kennt Auf und Abs. Diese Auf und Abs, auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind, werden vom privaten Engagement einer kunstinteressierten Gesellschaft getragen. In der staatlichen Kunstszene entscheidet die parteipolitische Verwertbarkeit und Gefügigkeit der Kunst- und Kulturschaffenden. Die Auf- und Abs, werden hier von einer abgehobenen, kleinen, immer gleichen Schicht von Kunst- und Kulturbürokraten bestimmt. Ein System, in dem Kuratoren, Kunstprofessoren und deren Assistenten, gefügige Journalisten, Künstler und Galeristen Subventionen an Kuratoren, Kunstprofessoren und deren Assistenten,gefügige Journalisten, Künstler und Galeristen verteilen. Wer hier in Ungnade fällt, hat kaum Chancen auf ein Comeback. Die Konsequenzen sind eine lähmende ängstliche Stille im österreichischen Kunst- und Kulturbetrieb. Es wird Zeit, dass sich das ändert.